Die Albanische Riviera war jahrzehntelang nur über eine Straße erreichbar — über den Llogara-Pass, eine Serpentine auf 1.027 m, die schon Cäsars Legionen 48 v. Chr. überquerten und auf der heute Reisebusse den Verkehr ausbremsen. Ende 2024 öffnete der neue 5,6 km lange Llogara-Tunnel darunter, und für jeden mit einem Mietwagen in Saranda stellt sich seither dieselbe Frage: Pass oder Tunnel?
Der Tunnel in Zahlen
Der Llogara-Tunnel führt von Dukat auf der Seite von Vlorë nach Palasë auf der Riviera-Seite — knapp fünf Minuten unter dem Berg hindurch. Er bildet das südliche Stück der SH8 und verbindet Vlorë direkt mit der Küste, ohne den langen Anstieg.
- Länge: 5,6 km, zwei Spuren, durchgehende LED-Beleuchtung
- Maut: 250 Lek (≈ €2,50) pro Fahrt für PKW, 500 Lek hin und zurück. Bar und Karte werden an der Mautstelle akzeptiert.
- Zeitersparnis: rund 50–60 Minuten gegenüber der alten Strecke
- Betrieb: 24/7, bei jedem Wetter, keine Schneesperrungen
Seit dem Winter 2025 ist das die Standardroute für jede Fahrt Richtung Saranda. Vlorë–Saranda dauert nun etwa 1,5 Stunden — knapp die Hälfte der alten Schleife.
Der Pass in Zahlen
Die alte SH8 über den Llogara ist die meiste Zeit des Jahres offen und kostenlos. Die Straße klettert in zwölf Kilometern Serpentinen vom Meer auf 1.027 m, fällt dann nach Palasë ab und führt weiter über Himarë und Borsh nach Saranda.
- Offen: April bis Anfang November in einem normalen Jahr
- Geschlossen: Mitte November bis Ende März wegen Schnee, jedes Jahr
- Fahrzeit: etwa eine Stunde länger als durch den Tunnel
- Warum trotzdem: der Blick vom Llogara-Aussichtspunkt über die gesamte Riviera, und die kleinen Cafés oben
Der Pass ist kein Transportweg, sondern ein Erlebnis. Einheimische nennen ihn die schönsten 30 km Albaniens, und sie übertreiben nicht.
Wann was
Ein Paar aus München fuhr im vergangenen Mai im klaren Sonnenlicht über den Pass nach Süden, machte auf 1.000 m Pause für einen Kaffee, und kam nach einem langen Strandtag um Mitternacht durch den Tunnel zurück. €2,50 einmal — sie nannten es den am besten ausgegebenen Euro der Reise. Beide Strecken an einem Tag.
Faustregeln:
- Frühling bis Herbst, Tag, ohne Zeitdruck: mindestens einmal über den Pass. Oben halten.
- Spät am Nachmittag oder im Dunkeln: Tunnel. Der Pass hat keine Beleuchtung, die Kurven sind eng.
- November bis März: nur Tunnel. Der Pass ist wegen Schnee gesperrt.
- Regen oder tiefe Wolken: Tunnel. Auf der Höhe fällt die Sicht schnell ab.
Was gleich bleibt
Die SH8 nördlich von Vlorë und südlich von Palasë ist dieselbe Küstenstraße: kostenlos, meist zweispurig, stellenweise mit Schlaglöchern. Beide Routen treffen hinter dem Llogara-Aussichtspunkt wieder zusammen und führen gemeinsam über Himarë und Borsh nach Saranda. Der Tunnel ersetzt nur das Bergstück in der Mitte.
Fazit
Bei gutem Wetter und mit Zeit im Gepäck — mindestens einmal über den Pass, am besten morgens. In allen anderen Fällen der Tunnel. Zweieinhalb Euro, gut investiert.